Terrarium

Maße:

Als Richtlinie dient die Formel 1 * 0,75 * 1 (l*b*h) multipliziert mit der Körperlänge des Tieres.
Das ist aber keine Sache die man 1 zu 1 umsetzen muss. Gerade bei Orthriophis taeniurus friesei gibt es kein zu groß, es gibt höchstens ein vertretbar. Wer die Möglichkeit besitzt ein Terrarium von 4m Länge bereitzustellen wird sich wundern, auch dies wirkt zu klein wenn die Tiere aktiv werden.

Beleuchtung und Heizung:

Die "Experten" streiten sich immer noch ob Schlangen nun UV-Licht benötigen oder nicht. Die einen sagen "Ist notwendig, den Tieren geht es dadurch besser" die andere Seite sagt "Ist rausgeschmissenes Geld, die Tiere kommen auch ohne klar". Ein Fall bei dem normale UV-Beleuchtung einer Schönnatter geschadet hat ist mir indes nicht bekannt.
Ich für meinen Teil gehe diesem fortwährenden Krieg ums Recht dadurch aus dem Weg, dass ich die UV-Lampen zur Wachstumsförderung der von mir verwendeten echten Pflanzen verwende. Als praktikable Lösung hat sich die Ausleuchtung des Terrariums mit Leuchtstoffröhren bewährt und zusätzlicher Einsatz von Spots um die benötigte Temperatur an einzelnen Plätzen zu erreichen.
Auch hier gibt es keine allgemeingültige Rechenregel die einem erlaubt zu sagen wie viele Heizmittel welcher Wattzahl eingesetzt werden müssen damit die erforderlichen Temperaturen erreicht werden. Dazu spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle. Angefangen von der Raumtemperatur über die verwendeten Materialien zum Terrarienbau bis zu der Anordnung und Größe der Lüftungsfläche. Bodenheizungen stellen bei falschem Einsatz unter Umständen ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential dar, daher rate ich persönlich von der Verwendung ab. Diese Art der Heizmittel ist besser in der Rackhaltung aufgehoben als in einem voll eingerichtetem Terrarium. Da die Schönnatter recht anspruchslos ist in Bezug auf die für die Verdauung benötigten Temperaturen, kann man ein Terrarium bei gemäßigten Zimmertemperaturen auch gänzlich ohne Wärmequellen betreiben. Es ist allerdings nicht verkehrt mindestens einen "Sonnenplatz" zu bieten an dem bis zu 30°C Lufttemperatur herrscht. Somit kann sich dann die Schönnatter selbst den angenehmsten Temperaturbereich wählen.
Zu den allgemein genannten Temperaturen:

  • Tagestemperatur: lokal von 20°C bis lokal 28°C
  • Nachttemperaturen: sollten nicht deutlich unter 20°C fallen

Bodengrund und Einrichtung:

Der Hobbyschlangenpfleger möchte sicherlich ein optisch ansprechendes Terrarium das zu einem Blickfang im Wohnzimmer wird. Daher kann ich nur empfehlen auf eine Fototapete zu verzichten und lieber auf die bewährte "Styropor-Fliesenkleber" Methode zum 3D-Rückwandbau zurückzugreifen. Zusammen mit dem Einsatz von echten Pflanzen kann man so einen kleinen "Wohnzimmergarten" anlegen, der zwar nicht so pflegeleicht wie eine sterile Plastikbox ist, dafür aber einfach einen herrlichen Anblick liefert.

Kletternatter in Aktion, Orthriophis taeniurus ridleyi (Höhlen Schönnatter), Classic, #61
Aufnahme vom: 13.04.2008
Kletternatter in Aktion
Orthriophis taeniurus ridleyi
Classic, #61
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Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Tiere gleichzeitig sehr viel zusätzliche Versteck- und Klettermöglichkeiten geboten bekommen. Meine Tiere finde ich oft an den unmöglichsten Stellen im Terrarium wieder.
Um nun alle geeigneten Bodengründe zu nennen kann man sich zu Tode aufzählen, daher nenne ich nur meine Favoriten:

  • Erde
  • Torf
  • Kokoshumus
  • Labortierstreu

Pflege:

Eine Gruppe von Tierpflegern halten Ihre Tiere in möglichst "sauberen" Terrarien. Hier wird meist dazu geraten sämtliche Einrichtungsgegenstände und auch den Bodengrund vor dem Einbringen in das Terrarium möglichst steril zu bekommen durch ggf. abbacken oder chemische Behandlung gegen allerlei Kriechzeugs. Auch wird meist zu dem Einsatz von Plastikpflanzen (aus hygienischen Gründen) geraten. Ich für meinen Teil bevorzuge eine naturnahe Einrichtung meiner Becken. Fairer Weise muß ich zugestehen, dass auch ich darauf achte mir keine unliebsamen Schädlinge wie Schlangenmilben oder Zecken einzuschleppen. Allerdings setze ich bewußt Kellerasseln in meine Becken, auch Regenwürmer sind gern gesehene Gäste. Diese kleinen Helfer sorgen 24h am Tag dafür, dass in meinen Becken ein kleines funktionierendes Stück Natur herrscht. Für viele Rackhalter, grundsätzlich gereinigtes Labortierstreu als Bodengrund Einsetzende oder Hauptberufliche Züchter ist meine Art der Terrarieneinrichtung wohl schlichtweg fahrlässig, ich fahre bisher aber sehr gut damit. In meinen Becken finden kaum bis garkeine externen Putzarbeiten statt. Wenn man sich die Becken genau ansieht entdeckt man eine dicke Schicht abgestorbene Pflanzenreste, alte Häutungsüberbleibsel und auch hier und da ein Krümelchen Urat. Das liegt daran, dass die anderen Bewohner meiner Becken auch gern etwas zu Beissen bekommen. Für Besitzer eines millimetergenau getrimmten englischen Rasens ist der Anblick meiner Becken wohl eher schlichtweg ein Verbrechen, ich mag aber den Anblick wenn es nicht nur so aussieht als wenn es lebt, sondern es auch so ist. Aber es bringt auch Nachteile... Zum Beispiel ist es mir nur noch selten vergönnt eine wirklich intakte Haut aus meinen Becken zu fischen, zumindest wenn die Häutung über Nacht stattgefunden hat. Nach 24h aber spätestens 48h ist von einem Natternhemd nichts mehr ausser vielleicht 1-2 Bauchschuppen zu finden. Natürlich muß ich an dieser Stelle auch zugestehen, dass ich Neuzugänge, Jungtiere und kranke Tiere separiert in Ausweichquartieren auf Zeitungspapier halte. Aber spätestens ab dem 2ten Lebensjahr und sofern die Tiere gesund und frei von unerwünschten Parasiten sind, kommen sie in solche Terrarien. Und solange man nicht alle 2 Wochen mit einem Milbenbefall oder ähnlichem zu Kämpfen hat ist es sogar sehr angenehm nicht ständig im Terrarium aufräumen zu müssen. Natürlich funktioniert das Ganze auch nur solange die Relationen stimmen.
Bei juvenilen Tieren kann man sich das Entfernen sparen insofern man ein voll bepflanztes Terrarium hat in dem auch Asseln wohnen, diese verzehren innerhalb kürzester Zeit die Häufchen und Häutungsreste. Da adulte Tiere nicht unerheblich große Endprodukte Ihrer Verdauung präsentieren, bleibt so gut wie nichts ausser dem raschen Entfernen dieser Prachhaufen die meist an den unzugänglichsten Stellen plaziert werden.


 
 
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© Moritz Reinemund